Ancient Spaces as Spaces of Movement in the Postclassical Era: Factography, Imagination, Construction

Maximilian Benz, Carmen Marcks-Jacobs

Veröffentlicht in: Reports of the Research Groups at the Topoi Plenary Session 2010
Jahr: 2011
Shortlink: edition-topoi.org/articles/details/629
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Abstract

Die Erforschung der künstlerischen Vermittlung von Wissen über antike Räume ist Gegenstand der Arbeit der Forschergruppe E-I. Dabei lassen sich in der longue durée Ketten von Transformationsvorgängen beobachten, in denen die in der Antike etablierten Zusammenhänge von Raum und Wissen den je spezifischen epistemischen und medialen Anforderungen entsprechend durch historische Agenten verändert wurden. Um diese wissensbasierten Transformationsprozesse in präzisen Untersuchungsgebieten einerseits auf einer verlässlichen Materialbasis analysieren, andererseits in der Zusammenführung der Ergebnisse aber auch relevante Aussagen zur Transformationsgeschichte von Raum und Wissen treffen zu können, greift die Forschergruppe auf das umfassende Thema der künstlerischen Vermittlung antiken Raumwissens in nachantiker Zeit mittels folgender, exakt konturierter Fragestellungen zu: (1) Spoliierung und Transposition, (2) Reisen durch die Räume der Antike, (3) Fiktionalisierung und Resemantisierung antiker Räume in Epos und Roman des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, (4) Jenseitskonzepte und -semantisierungen in Mittelalter und Früher Neuzeit. Die interdisziplinäre Erforschung der Formierungs- und Transformationsprozesse des Zusammenhangs von Raum und Wissen in Antike, Mittelalter und Neuzeit erfordert dabei ein integrierendes, also hinreichend elastisches, aber in keiner Weise beliebiges Konzept, das der methodologischen Fundierung dienen, das für Abstraktionsleistungen ebenso wie Konkretisierungen offen und das für die beteiligten Disziplinen anschlussfähig sein kann. Das Konzept, Raum als Bewegungsraum zu fassen, hatte für die Forschergruppe dabei zunächst heuristische Funktion; es erwies sich als besonders tragfähiges Konzept, da der Terminus Bewegungsraum zum einen die Dynamik des in der Forschergruppe angewandten Raumbegriffs selbst abbildet. Wir verstehen Raum als etwas, das performativ auf unterschiedlichen Ebenen durch Handlungen, Wahrnehmungen, Sprache usw. hervorgebracht wird. Entsprechend dieser entschieden dynamischen Konzeption verdeutlicht der Terminus Bewegungsraum auch die unhintergehbare Prozesshaftigkeit von Formierungen und Transformationen. Dabei ist das Konzept des Bewegungsraums offen; es ist nicht an den ontologischen Status der Objekte gebunden; es ist nicht beschränkt auf bestimmte disziplinäre Methodologien; es impliziert nichts Normatives, sondern dient allein als heuristisches Konzept. Die Anwendung des Bewegungsraumkonzepts führte zu einer Fülle konkreter Einzelergebnisse, besonders im Rahmen der Qualifikationsarbeiten; darüber hinaus konnte aber auch die Spolienforschung neu perspektiviert, Raumkonzepte der Literatur konnten historisch differenziert und im Rahmen wissenschaftlicher Rekonstruktionen eingesetzte kartographische Verfahren kritisiert werden.

Autoren

Maximilian Benz

Maximilian Benz studierte Deutsche und Lateinische Philologie an der LMU München und der HU Berlin. Unterstützt durch ein Promotionsstipendium des Exzellenzclusters Topoi verfasste er von 2009 bis 2012 die hier zusammengefasste Dissertationsschrift. Er arbeitet als Wissenschaftlicher Oberassistent im Bereich “Ältere deutsche Literatur” an der Universität Zürich.

Carmen Marcks-Jacobs

Carmen Marcks-Jacobs studierte klassische Archäologie an der Philipps-Universität Marburg und der Universität zu Köln, an der sie 2005 promoviert hat. Bei Topoi forschte sie vor allem über die Wiederverwendung von altertümlichen Gebäuden und Monumenten im frühen islamischen Spanien und fragte nach der Tradition von Wissen und der Kontinuität von Funktionsweisen im Kontext von urbanen Transformationen. Ihre Forschungsinteressen sind die Archäologie der Iberischen Halbinsel, römische Plastiken und die Geschichte der Antikensammlungen. Seit 2011 ist sie Koordinatorin der Berlin Graduate School of Ancient Studies (BerGSAS) an der Humboldt-Universität zu Berlin.


Citation

Maximilian Benz and Carmen Marcks-Jacobs, "Ancient Spaces as Spaces of Movement in the Postclassical Era: Factography, Imagination, Construction", in: Reports of the Research Groups at the Topoi Plenary Session 2010, eTopoi. Journal for Ancient Studies, Special Volume 1 (2011), 1–12
BibTeX
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  author = {Maximilian Benz and Carmen Marcks-Jacobs},
  title = {Ancient Spaces as Spaces of Movement in the Postclassical Era: Factography, Imagination, Construction},
  journaltitle = {Reports of the Research Groups at the Topoi Plenary Session 2010},
  pages = {1-12},
  series = {Berlin Studies of the Ancient World},
  date = {2011},
  publisher = {Exzellenzcluster 264 Topoi},
  location = {Berlin},
  keywords = { "Bewegungsraum", "Dekontextualisierung", "Epos", "Jenseits", "Kartographie", "Raumnarratologie", "Reise", "Rekontextualisierung", "Roman", "Spoliierung", "Transformation"},
  url = {http://edition-topoi.org/articles/details/629},
  urldate = {2019-09-22},
  doi = {10.17171/5-1-5},
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