Dialectical Topoi

Klaus Hempfer, Angelika Lozar, Marko Malink, Tim Wagner

Veröffentlicht in: Reports of the Research Groups at the Topoi Plenary Session 2010
Jahr: 2011
Shortlink: edition-topoi.org/articles/details/627
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Abstract

a) Gegenstände und Ziele. Dialektische Topoi sind ein wesentlicher Bestandteil der aristotelischen Logik und Argumentationstheorie (Dialektik). Sie können charakterisiert werden als Argumentationsmuster, die es uns erlauben, Prämissen zu finden, die geeignet sind, eine gegebene These zu etablieren. Unsere Forschergruppe konzentriert sich auf zwei Themen: Der erste Arbeitsschwerpunkt besteht in der genauen Untersuchung der topos-basierten dialektischen Logik des Aristoteles. Insbesondere konzentrieren wir uns auf die dialektischen Schriften im Organon (Topik, Rhetorik, Sophistische Widerlegungen) und betrachten ihr Verhältnis zur formalen Logik, die in den Ersten Analytiken entwickelt wird. Den zweiten Arbeitsschwerpunkt bildet die Untersuchung der Rezeption der aristotelischen Dialektik in der Renaissance. Im 16. Jahrhundert wurde die aristotelische Topik, wie zahlreiche neue Übersetzungen und Kommentare zeigen, intensiv rezipiert. Wir konzentrieren uns auf das Verhältnis zwischen veritas/scientia und opinio/probabilitas in der Epistemologie der Renaissance. Besonders interessieren wir uns für die Frage, wie die Dialektik und Rhetorik der Renaissance durch die Form und das Genre des Dialogs beeinflusst sind, und darauf, welche Rolle – in der Renaissance – die räumliche Dimension spielt, die sowohl in der aristotelischen Definition des topos als “Ort, von dem aus der Angriff erfolgen soll”, als auch in Ciceros Definition des locus als “Sitz der Argumente” (sedes argumentorum) enthalten ist. b) Methoden. Relevante Passagen aus den Schriften des aristotelischen Organon werden analysiert und miteinander ins Verhältnis gesetzt. Dabei wird insbesondere das Inventar der Logik und Argumentationstheorie des 20. Jahrhunderts zur Interpretation dieser Texte herangezogen, indem beispielsweise moderne mereologische und topologische Systeme zur Rekonstruktion der aristotelischen Logik verwendet werden, ohne die spezifischen historischen Details und Probleme zu übergehen, die mit den antiken Texten verbunden sind. c) Diskussionsstand. Die Gruppe hat festgestellt, dass die aristotelische formale Logik auf mehrere Weisen von der topos-basierten dialektischen Logik abhängig und durch sie geprägt ist. So spielt etwa die aristotelische Prädikationstheorie für unterschiedliche Aspekte der aristotelischen Syllogistik in den Ersten Analytiken eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus zeigt die Arbeit der Gruppe, dass Interpretationen der aristotelischen Topik wesentlich zur Entstehung einer relativistischen Epistemologie in der Renaissance beigetragen haben. So ist etwa der Status von opinio/probabilitas in der Renaissance von den Interpretationen des aristotelischen endoxon-Begriffs beeinflusst.

Autoren

Klaus Hempfer

Klaus Hempfer ist Professor für Romanische Literatur an der Freien Universität Berlin. In seiner Forschungstätigkeit befasst er sich vor allem mit der Renaissance Literatur Europas und ihrem antiken Erbe, mit französischer Lyrik des 19. Jahrhunderts und mit grundlegenden Konzepten der Literaturtheorie.

Angelika Lozar

Angelika Lozar studierte Latein, Griechisch, Mittellateinische Philologie und Katholische Theologie in Bonn und Berlin. Sie promovierte 1998 zur Exempelliteratur des latei­nischen Mittelalters. Seit 2002 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungs­bereich Kulturen des Performativen an der Freien Universität Berlin und war von 2008 bis September 2010 wissenschaftliche Mitarbeiterin in Topoi (Research Area D-III-E-II-1). Ihr Forschungsschwerpunkt ist derzeit die lateinische Prosaliteratur der Renaissance in epistemologischer Perspektive (15./16. Jahrhundert).

Marko Malink

Marko Malink ist Dozent für Philosophie und klassische Philologie an der New York University. Nach seinem Studium an der Universität Leipzig promovierte er in Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind antike Philosophie, insbesondere Logik und Metaphysik sowie die Geschichte der Logik, Sprachphilosophie und Linguistik.

Tim Wagner

Tim Wagner ist Dozent für antike Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen antike Logik, Argumentationstheorie, Naturphilosophie sowie antike und neuzeitliche Konzepte der Metaphysik. Von 2008 bis 2011 war er Koordinator der research area (D) Theory and Science.


Citation

Klaus Hempfer, Angelika Lozar, Marko Malink and Tim Wagner, "Dialectical Topoi", in: Reports of the Research Groups at the Topoi Plenary Session 2010, eTopoi. Journal for Ancient Studies, Special Volume 1 (2011), 1–11
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