Diversity and Standardization

Eva Cancik-Kirschbaum, Jörg Klinger

Veröffentlicht in: Reports of the Research Groups at the Topoi Plenary Session 2010
Jahr: 2011
Shortlink: edition-topoi.org/articles/details/291
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Abstract

Die Geschichte der altorientalischen Kulturen erweist sich in historischer Zeit unter dem Aspekt einer longue durée als geprägt von einer erstaunlichen Konstanz der Herrschaftsformen bzw. der Herrschaftsstrukturen. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch deutlich, dass die im Kern monokratischen Systeme durchaus unterschiedliche, auf die je spezifischen regionalen Verhältnisse ausgerichtete Ausprägungen von Herrschaft hervorbrachten. Dabei wird eine Reihe von Institutionen ausgebildet, die der Durchsetzung staatlicher Herrschaft im Herrschaftsraum dienen. Diese können in Art und Ausgestaltung zwischen Stadtstaat und großräumigem Territorialstaat stark variieren, doch dürften – so die zentrale These der Forschergruppe – bereits in allen Typen des Frühen Staats die Normierung und Standardisierung von Prozessen und Kulturtechniken eine entscheidende Rolle zur Erzeugung räumlicher und gesellschaftlicher Identität spielen. Das Wissen um die Bedeutung dieser Normierungsprozesse spiegelt sich in der Bedeutung, die z. B. der Verwendung von Schrift und der Anwendung von metrischen Standards in allen altorientalischen Reichen zuerkannt wird. Das Verhältnis von lokalen, regionalen und überregionalen Regulierungen im Bereich solcher normierter Systeme und ihre Veränderung in Folge der Veränderung politischer Strukturen belegen die aktive Nutzung entsprechenden Wissens bei der Durchsetzung territorialer Herrschaft. Das 2008/2009 im Rahmen von Topoi durchgeführte Projekt zu Normierungs- und Standardisierungsprozessen im Bereich der Kulturen des Alten Vorderen Orients ist als Grundlagenforschung konzipiert mit dem Ziel, zunächst eine einschlägige Datenbasis zu schaffen, die für weitergehende Fragestellungen aufbereitet werden kann und soll. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen der Etablierung territorialer Herrschaft und der Normierung und Standardisierung im Bereich der Kulturtechniken, fokussiert auf die Metrologie, primär anhand beschrifteter Referenzobjekte für metrische Einheiten, und auf einen speziellen Schrifttypus, die luwische Hieroglyphenschrift.

Autoren

Eva Cancik-Kirschbaum

Eva Cancik-Kirschbaum ist Professorin für Assyriologie an der Freien Universität Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen assyrische Sprache, Geschichte und Kultur sowie die Edition von Keilschrifttexten, die ökonomische, soziale und politische Geschichte des altertümlichen Mesopotamiens und angrenzender Regionen. Darüber hinaus forscht sie zur Zeitwahrnehmung antiker Kulturen und über die Wirkungsgeschichte antiker Zivilisationen des Nahen Ostens und besonders ihre Wissenschaftsgeschichte.

Jörg Klinger

Jörg Klinger ist Professor für Altorientalistik an der Freien Universität Berlin.


Citation

Eva Cancik-Kirschbaum and Jörg Klinger, "Diversity and Standardization", in: Reports of the Research Groups at the Topoi Plenary Session 2010, eTopoi. Journal for Ancient Studies, Special Volume 1 (2011), 1–10
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