Migration, Genealogie und Typologie

Die Konstruktion von Identitäten in Pindars fünfter Isthmie

Jan Stenger

Veröffentlicht in: Genealogie und Migrationsmythen im antiken Mittelmeerraum und auf der arabischen Halbinsel
Jahr: 2014
DOI: 10.17171/3-29-5
URN (PDF): urn:nbn:de:kobv:11-100213625
Shortlink: edition-topoi.org/articles/details/721
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Abstract

In seiner fünften Isthmischen Ode verarbeitet der griechische Chorlyriker Pindar einen Mythos, in dem die Motive Migration und Genealogie eine prominente Rolle spielen. Obgleich sich der Mythos der Aiakiden für die Konstruktion von Identitäten eigentlich nicht eignet, verwendet das Siegeslied die heroischen Leistungen der Aiakossöhne, um den Ruhm sowohl des Adressaten als auch der Einwohner der Insel Ägina zu mehren. Da die Aiakiden im Mythos ihre Heimat Ägina gezwungenermaßen verlassen, war die Inselbevölkerung nicht in der Lage, eine direkte Blutsverwandtschaft mit ihnen zu postulieren. Daher ersinnt Pindar eine Strategie, um Migration und Genealogie neu zu akzentuieren. Indem er die Muster von Wanderung und Genealogie betont und gleichzeitig die engen familiären Bindungen unter den Aiakiden auf die Familie des Adressaten projiziert, transformiert Pindar die Konzepte von Migration und Verwandtschaft in zeitlose Narrative. Auf diese Weise wird die “reale” Genealogie gewissermaßen in eine Typologie verwandelt, in der sowohl der Adressat und seine Familie als auch die Inselbevölkerung den mythischen Helden entsprechen.

Autoren

Jan Stenger

Jan R. Stenger ist MacDowell Professor of Greek an der University of Glasgow. Seine Arbeitsschwerpunkte sind griechische Chorlyrik, Literatur der Spätantike, antike Epistolographie, die Repräsentation geographischer und urbaner Räume in der antiken Literatur.


Citation

Jan Stenger, "Migration, Genealogie und Typologie. Die Konstruktion von Identitäten in Pindars fünfter Isthmie", in: Almut-Barbara Renger and Isabel Toral-Niehoff (Eds.), Genealogie und Migrationsmythen im antiken Mittelmeerraum und auf der arabischen Halbinsel, Berlin: Edition Topoi, 2014, 85–104
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