Political Governance and Governed Space

Ernst Baltrusch, Dominik Bonatz, Eva Cancik-Kirschbaum, Jörg Klinger

Veröffentlicht in: Reports of the Research Groups at the Topoi Plenary Session 2010
Jahr: 2011
Shortlink: edition-topoi.org/articles/details/622
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Abstract

Politische Herrschaft über territoriale Großräume ist ein wohlbekanntes Phänomen der Alten Welt, das bereits in der Antike im Bild von der Abfolge der Reiche gefasst wurde. Eine solche politische Raumordnung basiert auf der erfolgreichen Verschränkung von verschiedensten, symbolischen wie auch konkreten Formen von governance in den kontingenten Bedingungsgefügen. Obwohl jedes Großreich ein historischer Einzelfall ist, stellt sich doch die Frage, wie sich in vormodernen Staaten Kenntnisse über derlei politische Betriebswirtschaft herausbilden. Im Rahmen der Area B Mechanisms of Control and Social Spaces werden großräumige governance-Phänomene hinsichtlich der mit der organisatorischen Umsetzung solcher Hegemonialstrukturen verbundenen Formen von Wissen betrachtet. Hierzu untersucht die Forschergruppe exemplarisch die Wechselwirkungen von Raumstrukturen und Herrschaftsorganisation am Beispiel von vier Großreichen. Anhand der Analyse der je unterschiedlichen Zugriffe auf den Herrschaftsraum werden Kontinuitäten und Diskontinuitäten in den Pragmatiken sichtbar, in denen ihrerseits wiederum sowohl das Spektrum der Wissensformen als auch der Wissensgegenstände kenntlich werden. Der geographische Großraum der Untersuchungen ist Vorderasien. Drei altorientalische Fallbeispiele, das hethitische Reich, das Mittani-Reich und das mittelassyrische Reich illustrieren die Region Anatolien-Obermesopotamien in einer dichten chronologischen Schichtung über einen Zeitraum von knapp 500 Jahren. Dabei ergeben sich innerhalb des Chronotops sowohl geographische als auch chronologische Schnittmen- gen, anhand derer die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Organisation von governance nicht zuletzt in ihrer räumlichen Bedingtheit sichtbar werden. Demgegenüber ist das althistorische Teilprojekt auf die Herrschaftsordnung des Imperium Romanum im Vorderen Orient in der Frühzeit des Prinzipats fokussiert, wobei schwerpunktmäßig der palästinisch-syrische Raum in den Blick genommen wird. Zwei Detailstudien kontrastieren in systematischer und chronologischer Hinsicht die relativ homogenen Perspektiven auf die vier genannten Großreiche: Es handelt sich um Studien zu “Handelsbeziehungen” im neubabylonischen Reich des 1. Jahrtausends und zu “Multi-Ethnizität” in den altorientalischen Großreichsbildungen des späteren 1. Jahrtausends. Der analytische Zugriff erfolgt über archäologische, philologische und historische Methoden und konzentriert sich auf konkrete Formen in der Ausübung politischer Herrschaft in Interdependenz zu den beherrschten Räumen in unterschiedlicher Skalierung. Untersucht werden Siedlungsstrukturen, Artefakte, Grenzformationen – zudem eine Vielzahl unterschiedlicher Textgattungen, darunter historische Dokumente wie Staatsverträge, aber auch epigraphisches Material, Rechts- und Wirtschaftsurkunden sowie literarische Texte. Teilweise werden die verwendeten Quellen im Rahmen der Untersuchungen erstmals erschlossen und publiziert. Ein Webgestütztes Kartenprojekt erlaubt die Verknüpfung geographischer Aussagehorizonte mit Objektdaten wie Siedlungsmustern oder Einzugsräumen.

Autoren

Ernst Baltrusch

Ernst Baltrusch ist Professor für Alte Geschichte am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin. Seine Arbeit richtet sich auf die römische Geschichte der späten Republik und der frühen Kaiserzeit, das antike Völkerrecht, das antike Judentum in seinen Beziehungen zum Römischen Reich sowie die Geschichte Spartas.

Dominik Bonatz

Dominik Bonatz ist Professor für Altorientalistik an der Freien Universität Berlin. Seine Forschungsarbeit widmet sich dem Studium orientalischer bildender Künste unter Berücksichtigung anthropologischer, performativer und perzeptiver Aspekte.

Eva Cancik-Kirschbaum

Eva Cancik-Kirschbaum ist Professorin für Assyriologie an der Freien Universität Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen assyrische Sprache, Geschichte und Kultur sowie die Edition von Keilschrifttexten, die ökonomische, soziale und politische Geschichte des altertümlichen Mesopotamiens und angrenzender Regionen. Darüber hinaus forscht sie zur Zeitwahrnehmung antiker Kulturen und über die Wirkungsgeschichte antiker Zivilisationen des Nahen Ostens und besonders ihre Wissenschaftsgeschichte.

Jörg Klinger

Jörg Klinger ist Professor für Altorientalistik an der Freien Universität Berlin.


Citation

Ernst Baltrusch, Dominik Bonatz, Eva Cancik-Kirschbaum and Jörg Klinger, "Political Governance and Governed Space", in: Reports of the Research Groups at the Topoi Plenary Session 2010, eTopoi. Journal for Ancient Studies, Special Volume 1 (2011), 1–19
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  urldate = {2019-09-17},
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